Was Altersichtigkeit? Ich doch nicht!

Vor noch nicht allzu langer Zeit hat sich ein guter Freund von mir etwas zu stark aus dem Fenster gelehnt 🙂 ! Er hatte sich nĂ€mlich lauthals ĂŒber seine Kollegen lustig gemacht, die nun neuerdings eine Lesebrille brĂ€uchten und immer wieder betont, wie gut er sehen wĂŒrde. So quasi: das kann mir doch nicht passieren!

Jetzt, etwa ein knappes Jahr spĂ€ter, kommt dieser besagte Freund zu mir und flĂŒstert mir ins Ohr: „Du sag mal, das Sehen in der NĂ€he ist echt anstrengend, oft verschwimmen mir abends und bei schlechtem Licht die Buchstaben vor den Augen. Das ist echt mĂŒhsam! Kann man da was machen?“

„Was Altersichtigkeit? Ich doch nicht!“ weiterlesen

Nicht die Orientierung verlieren …

Ihr kennt sicher die Laufsportart, bei der man im freien GelÀnde bestimmte Kontrollpunkte ablaufen muss und sich nur mit einem Kompass und einer Landkarte behelfen darf!?

Orientierungslauf ist ein Sport, der vor allem in den skandinavischen LĂ€ndern sehr beliebt ist und dort auch als Volkssportart gilt. Der OrientierungslĂ€ufer zeichnet sich nicht nur durch seine körperliche Fitness aus, sondern er muss sich möglichst fĂŒr eine gĂŒnstige und schnelle Route entscheiden.

Meine 45jĂ€hrige Neukundin wĂŒnschte sich Kontaktlinsen, welche vor allem beim OL-Lauf zum Einsatz kommen sollten. Ihre bisherige Situation war eher unbefriedigend. Mit Brille und dem zusĂ€tzlichem Vergrösserungsglas, welches am Daumen befestigt wird, um die Lesbarkeit der Karte zu verbessern, kam sie schon lĂ€nger nicht mehr klar. Sie beklagte das umstĂ€ndliche Handling und auch die Tatsache bei schlechten Wetterbedingungen Probleme mit den Hilfsmitteln zu haben. Ausserdem war natĂŒrlich auch das Sehen in der NĂ€he allmĂ€hlich schlechter. Sie brachte mir sogar eine Original-OL-Karte mit zur Neuanpassung. Ich staunte nicht schlecht, als ich die feinen Linien, die detaillierten Angaben zum Beispiel ĂŒber ZĂ€une, Dickichte, besondere Objekte und KahlschlĂ€ge sah.

Wir starteten mit formstabilen multifokalen Kontaktlinsen. Und wer jetzt meint, dass sich eine presbyope Linsen-Neueinsteigerin nicht an formstabile Linsen gewöhnen kann, der tĂ€uscht sich gewaltig. Meistens sind Spitzensportler oder auch ehrgeizige Breitensportler mit einer Portion Ehrgeiz, Motivation und Disziplin ausgestattet, was sie beim Erreichen der hoch gesteckten Ziele massgeblich unterstĂŒtzt.

So auch in meinem Fall. Meine Kundin war bereits bei den ersten Probelinsen sehr zuversichtlich und trug diese bereits tĂ€glich. Einzig und alleine die Sicht in die NĂ€he reichte nicht 100%ig aus. Deshalb nahm ich eine Umstellung auf formstabile bifokale Linsen vor und siehe da, es klappte. Der hohe Nahbedarf konnte nun zufriedenstellend erfĂŒllt werden und egal ob es nun regnet oder sie im Dickicht durch den Wald rennen muss, hat sie die freie gute Sicht und Bewegungsfreiheit, die sie sich so lange gewĂŒnscht hat 🙂OL_Karte_Lausanne_480

Merken

Ideen muss man haben! Teil 2

Im Februar habe ich Euch ja eine lustige Geschichte aus meinen Skiferien erzÀhlt. Damals ging es um den Einfallsreichtum alterssichtiger Menschen, die sich bei ihrer schlechter werdenden SehschÀrfe in die NÀhe mit allen möglichen Mitteln behelfen.

Am letzten Samstag war ich in einer italienischen Espresso-Bar in Basel zu Gast. Am Nebentisch sass eine Ă€ltere Dame, perfekt gestylt und hĂŒbsch in Schale geworfen. Ihr Handy lag auf dem Tisch, darĂŒber hielt sie eine Handlupe. Tief beugte sie sich nach unten ĂŒber die Lupe und tippte dabei flink ein SMS in die Tastatur. Das ist doch eine völlig neue Methode, findet Ihr nicht auch? Allerdings: total umstĂ€ndlich. Diese gepflegte Dame kann also nur ihr Handy bedienen, wenn sie a) sitzt und b) eine Lupe dabei hat.

Übrigens, nachdem sie den Espresso getrunken hatte und ihr Handy wieder in ihrer Prada-Handtasche versorgt hatte, zog sie sich die Lippen mit dem Lippenstift nach. DafĂŒr kam dann ein kleiner Spiegel zum Einsatz. Was fĂŒr ein Wunder, dass sie dafĂŒr nicht auch noch die Handlupe benötigte. Das hĂ€tte ich so gerne gesehen 😉 !

Ideen muss man haben!

Es gibt ja die unterschiedlichsten Möglichkeiten, wie sich Menschen bei einer schlechter werdenden SehschwĂ€che in die NĂ€he selbst zu helfen wissen. Die Lesebrille seines Partners verwenden, die Zeitung mit „langen Armen“ halten, die vorhandenen GlĂŒhbirnen mit höheren Wattzahlen ausstatten, die Fernbrille abnehmen (klappt nur bei den Kurzsichtigen!) oder einfach aufs Lesen zu verzichten. Erschwert wird dieser Sachverhalt, wenn man sich dazu noch draussen aufhĂ€lt. Abgesehen von uns korrigierten KontaktlinsentrĂ€gern mit fantastischen multifokalen Linsen 😉 werden die wenigsten Nicht-Linsen-TrĂ€ger eine korrigierte Sonnenbrille fĂŒr Ferne und NĂ€he besitzen. Es gibt aber eine tolle Variante, die ich zuvor auch noch nie gesehen habe. Aufgepasst!

In meinen Skiferien konnte ich wĂ€hrend einer Seilbahnfahrt bei einem etwa 50jĂ€hrigen Mann beobachten, wie er das Problem der Alterssichtigkeit auf seine Weise löste. Um die Skigebietskarte lesen zu können, schob er einfach eine schmale Lesebrille (an der er die BĂŒgel abmontiert hatte!) zwischen Augenpaar und bereits aufgesetzter Sonnenbrille. Das klappt!

Das ganze Manöver stellte sich ein wenig ungelenk dar: Man stelle sich vor, er musste gleichzeitig Lesebrille hineinschieben, Skier und Stöcke halten und mit dem Schwanken der Seilbahn klar kommen. Übrigens: Skischuhe sind dabei nicht unbedingt eine grosse Hilfe, um den unsicheren Stand auszugleichen. Ich hĂ€tte Euch so gerne diese Szene fotografisch festgehalten, aber ich habe mich ehrlich gesagt nicht getraut und konnte nur unglĂ€ubig dabei zuschauen.