Autsch oder „pimp-up your contactlenses“!

Einen Mittelklassewagen oder ein Ikea Möbel „aufpimpen“?! Warum nicht! Einem 0815-Produkt einen individuellen Touch einzuhauchen, ist verständlich, kreativ und eben nicht immer jedermanns Geschmack.

Aber dass es bereits Leute gibt, die ihre Kontaktlinsen mit Schmucksteinchen aufpeppen, das ist mir ehrlich gesagt neu. Eric Klarenbeek, ein holländischer Künstler („Designer of the unusual“) hat dieses Schmuckobjekt entworfen.

Nach den Bildern, die sich im Internet tummeln, würde ich es wie folgt beschreiben:

  • an einer weichen Kontaktlinse mittig angebrachter Faden
  • an diesem dünnen Bindfaden, auf der Wange hin- und her tanzend, sind kleine Glasperlen befestigt

eye_jewellery_eric_klarenbeek_mit QuellenangabeEhrlich gesagt, sieht es aus, als ob der Schmuckträger weint und einige dicke Tränen verdrücken muss. Was ja auch durchaus realistisch ist, wenn man davon ausgehen kann, dass bei jedem Lidschlag ein Reiz oder Schmerzimpuls ausgelöst werden müsste.

Im wahren Leben ist mir ein solcher Kontaktlinsen-Schmuck-Träger noch nicht über den Weg gelaufen. Sollte ich tatsächlich einmal einem solchen Modefreak begegnen, würde es unsere Blog-Community als erstes erfahren.

Schubidu! Die Kontaktlinse ist schon drin!

Das ist die Geschichte vom zehnjährigen Leon. Ich kenne ihn erst seit wenigen Wochen, aber ich bin bereits ein grosser Fan von ihm.

Leon kam zur Neuanpassung von formstabilen Kontaktlinsen zu mir. Sehr stark übersichtig, weigerte er sich schon eine ganze Weile eine Brille zu tragen. Mit dem OK seiner Augenärztin, der begreiflichen Fürsorge seiner Mutter und dem sehr starken Willen ihres Sohnes machten wir uns ans Werk.

Er sieht nicht nur aus wie Michel aus Lönneberga (Romanfigur von Astrid Lindgren, siehe unten), er hat auch den Willen von Michel aus Lönneberga. Das heisst, er ist ziemlich aktiv und das Stillhalten bei unseren Ausmessungen war etwas schwierig. Ruhig da zu sitzen ist nicht so seine Sache und wissbegierig ist er in seinem Alter natürlich auch.

Michel aus Lönneberga_Bildquelle_express.de_2

Bildquelle: express.de

Das Aufsetzen der Kontaktlinsen habe ich ihm sofort selbst überlassen. Ich war sehr gespannt darauf, wie er sich schlagen würde. Er setzte sich hin, schaute und lauschte mir aufmerksam zu. Gesagt, getan. Ich untertreibe nicht, wenn ich nun sage, dass es keine fünf Sekunden gedauert hat, die Linse aufzusetzen.

Schubidu, die Linse ist schon drin, sagte er und schaute mich glückselig an.

Man schmilzt dahin, wie eine Tafel Schokolade! Zugegeben, das Ein- und Aussetzen gleicht eher einem Kamikaze-Style, aber die Kontaktlinsen sitzen jedes Mal korrekt auf dem Auge. Er ist total glücklich. Als Fussballspieler hat er nun auch wieder mehr Freude am Sport und in der Schule klappt es natürlich auch besser, wenn da nur nicht die Lehrerin wäre, die Jungs sowieso blöd findet 😉

Übrigens, Kinder sind tolle Kontaktlinsenträger: geht die Motivation von ihnen selbst aus, dann klappt es in den meisten Fällen mit Kontaktlinsen. Völlig unbeschwert und unvoreingenommen gehen sie mit der neuen Situation um. Als Erwachsener kann man da nur staunen und sich ein Beispiel daran nehmen.

Das ist mir echt schleierhaft!

Eine langjährige Kundin von mir bekam vorletzte Woche ihre neuen formstabilen Kontaktlinsen. Entnervt schilderte sie mir einige Tage später, dass die Kontaktlinsen nur für wenige Stunden getragen werden können, da sie in kürzester Zeit beschlagen und sie dadurch eine sehr schlechte Sicht habe. Das ist mir echt schleierhaft, wie das passieren kann. Die Doppeldeutigkeit in ihren Worten brachte mich zum Schmunzeln. Meine Kundin, eine Kosmetikerin in den besten Jahren, hatte sich so viel Makeup um die Augen „gesalbt“, dass es beim Blick in die Spaltlampe so aussah, als wäre es Weihnachten! Glitzerförmige farbige Partikel spazierten fröhlich mit dem Lidschlag über die Linsenfläche. Kein Wunder, dachte ich mir, sprach es aber vorsichtshalber erst einmal nicht aus. Durch eine bedächtige Fragestellung 🙂 tastete ich mich vor: Könnte es möglich sein, dass sie sich neuerdings mit neuen Produkten der Augenpflege versorgen, die zur Zierde des Gesichts dienen, aber sich eventuell suboptimal auf den Verschmutzungsgrad der Kontaktlinsen auswirken? Sie schaute mich verdutzt an. Sicher, in meinem Beruf teste ich natürlich alles Neue selber aus! Ja, meinen Sie, das könnte eventuell der Grund sein?  Ich nickte und erklärte ihr den Sachverhalt. Makeup, Augengels oder -creme, Sonnencreme und so weiter wandern problemlos über die Augenlidkante ins Auge hinein und von dort aus über den Lidschlag auf die Oberfläche der Kontaktlinsen. Eine schlechte Benetzung der Kontaktlinse aufgrund der fettigen Oberfläche der Linse führt dann auch zu einer schlechten Sicht. Das klingt logisch, meinte sie. Und was mache ich jetzt?

Tipps:

  • Beim Kauf von Kosmetikartikeln für die Augen (Mascara, Lidschatten) auf Kontaktlinsenträger geeignete Produkte achten.
  • Den Kajal nicht direkt auf der Lidkante, sondern unterhalb der Lider, entlang der Wimpern anbringen.
  • Augengels nicht zu nahe an den Augenlidkanten auftragen.
  • Puder und glitzerhaltige Cremes sind nicht empfehlenswert.
  • Zuerst schminken, dann Kontaktlinsen aufsetzten. Zuerst Kontaktlinsen absetzten und dann abschminken.
  • Beim Abschminken auch die Lidränder gründlich reinigen. Gut eignet sich ein mit warmem Wasser befeuchteter Wattepad. Dafür das untere Augenlid mit einem Finger nach unten ziehen und das obere Lid nach oben ziehen, damit die Lidränder gut erreicht werden können. Für jedes Auge einen neuen Pad verwenden.
  • Zum Reinigen der Kontaktlinsen einen tensidhaltigen (seifenähnliche Substanzen), bestenfalls einen alkoholhaltigen Reiniger verwenden. Darauf achten, ob sich der Reiniger auch für den Kontaktlinsentyp (formstabil oder weich) eignet. Danach die Linsen mit entprechenden Abspüllösungen abspülen.
  • Nachfettende Handseife kann die Kontaktlinsen beim manuellen Reinigen zusätzlich verschmieren.
  • Bei der Verwendung von Haarspray immer die Augen schliessen, damit die Partikel nicht auf die Kontaktlinsen geraten.

Meine Kundin hat mich nach einigen Tagen darüber informiert, dass nun alles wieder in Ordnung sei. Der Übeltäter sei die abends aufgetragene Augencreme gewesen, die zwar zu einer Reduzierung der Fältchen führen soll, aber eben dieses Geschmier verursacht. Durch das Auftragen der Creme mit etwas Abstand zur Augenlidkante sei es nun wieder wie früher und den Kampf gegen die Falten werde sie damit nicht so schnell aufgeben müssen.