Hallo Null-Fehler-Kultur!

„Wir sind hier nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr Süd-Giesing, sondern beim FC Bayern München.“

„Oans, zwoa, drei … hossa!“

Die Wortwahl von Julian Nagelsmann vor einem Spitzenspiel zur Motivation seiner Spieler hatte es in sich und die berechtigte Kritik liess nicht lange auf sich warten.

Klar … der Coach des FC Hollywood in der bayrischen Landeshauptstadt wollte weder die Freiwillige Feuerwehr noch die ehrenamtlichen Helfer diskreditieren.  Ihm ging es lediglich um das Wort „freiwillig“.

Foto von Henrikke Due auf Unsplash

„Sorry seems to be the hardest word“ – Elton John

Egal ob Politiker, Sportler, Trainer oder Otto Normalverbraucher: Wer einen Fehler macht, tut sich in der Regel schwer damit, ehrlich gemeinte Reue zu zeigen.

Sorry, wenn ich euch jetzt zu nahe trete: Wann habt ihr euch das letzte Mal so richtig für etwas entschuldigt? Und zwar: Ehrlich, zerknirscht, über sich selbst erschrocken, am liebsten die Zeit zurückdrehend, den Schaden wieder gut machend, die volle Verantwortung ohne Wenn und Aber dafür übernehmend? Einfach sein Gegenüber mit vollem Herzen um Vergebung bittend?

OK … es ist schon länger her! Ich kann’s verstehen! Ist ja auch nicht ohne und braucht zugegeben eine Portion Mut. Entschuldigen ist brutal schwer. Bringst du es aber über die Lippen, dann fällt dir ein riesengrosser Fels vom Herzen UND dein Vis à vis wird deine Aufrichtigkeit wertschätzen. Ausser es ist eine Pappnase 😉. Tatsache ist: Es gibt keine Null-Fehler-Kultur – zum Glück – und Mist gebaut, hat ja schon ein jeder!

Deswegen habe ich hier und heute ein paar Anregungen für das ultimativ ehrlich gemeinte „Pardon“:

  • Möglichst zeitnah und 1:1 entschuldigen.
  • Ehrlichkeit zahlt sich aus! Raus mit der Sprache!
  • Bitte keine light-Version und Schönrednerei.
  • Selbstreflexion ist die beste Voraussetzung für eine ernstgemeinte und glaubwürdige Entschuldigung.
  • Die volle Verantwortung übernehmen  und ganz wichtig: ein ABER verkneifen!
  • Eventuell Wiedergutmachung vorschlagen oder anbieten.
  • Kein „Overloading“! Bedeutet: Sich nicht mehrmals für den gleichen Fauxpas oder für Banalitäten entschuldigen.
  • Verzeihen ist nicht gleichbedeutend mit Versöhnen. Hast du Schwein, bekommst du eine zweite Chance. Andernfalls hast du es zumindest versucht.
  • Oft dienen Blumen, Pralinen oder Gutscheine plus der verbal formulierten Reue-Botschaft als dickes Ausrufezeichen. Merke: Freikaufen von Schuld kann sich keiner.

Julian Nagelsmann hat etwas sehr Kluges getan, nämlich aktiv Reue gezeigt. Nach seiner unglücklichen Aussage besuchte er eine Woche später die Einsatzkräfte der Feuerwache 4 in München Schwabing, bat erneut um Entschuldigung und brachte ein Trikot mit der Rückennummer 112 mit. Chapeau Herr Nagelsmann!

Nur damit ich es erwähnt habe: Ich mutiere deshalb nicht zum FC Bayern Fan 😉.