Grübelmonster

In letzter Zeit falle ich abends todmüde ins Bett. Kaum ist das Licht gelöscht, bin ich wieder hellwach und starre ins dunkle Nichts. Mit klopfendem Herzen fängt mein Gedankenkarussell an zu drehen. Ich verliere mich in der Stille der Nacht in tausenden von Fragen. Antworten werden vor- und zurückgespult. Nonstop. Das macht mich total kribbelig. Kennt ihr das?

In der Fachwelt spricht man von „Rumination“. Das bedeutet so viel wie Wiederkäuen. Ich finde, das Wort trifft es auf den Punkt. Grübler kramen Vergangenes hervor, sinnieren, drehen, wenden und wägen ab. Vor allem aber suchen sie nach den eigenen Fehlern und kauen bis zum Sankt Nimmerleinstag daran herum.

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Brandbeschleuniger für negative Gefühle

Zerbrichst du dir länger als zwei Minuten den Kopf über ein  Problem und hast dafür keine Lösung, dann ist die Chance weiterhin wach zu bleiben, ziemlich gross. Der Trübsal geht in die nächste Runde. Es ist höchst unproduktiv und ungemein quälend. Wir durchleben unser Leid in einer exzessiven Endlosschleife. Und was kommt dabei heraus: Schlafstörungen, Frustration, Verspannungen, Selbstzweifel. Mist! Lieber nicht!

Wichtig: Grübeln ist etwas völlig Normales. Wir denken länger und intensiver über bestimmte Sachen nach. Solche Gedanken kann kein Mensch unterdrücken. Beim klassischen Nachdenken geht es aber immer um lösungs- und handlungsorientiertes Denken. Weit weg von überzogener Selbstkritik, Scham- und Schuldgefühlen. Der Grübler hingegen nimmt es sich selbst sehr zu Herzen, es nagt an seinem Selbstwertgefühl und Sorgen betonieren sich im Gehirn ein. Grübeln hat also immer eine kritisch wertende Tonalität. Beim neutralen Nachdenken dagegen geht’s um pragmatisches Denken und Handeln für eine echte Lösung.

Tag für Tag, von morgens bis abends erleben wir ein Auf und Ab der Gefühle. Manche Gefühle verschwinden schnell, andere haften wie ein Kaugummi an der Schuhsohle. Schuldgefühle, Traurigkeit, Enttäuschung, Hass, Neid und Sorgen haben eine längere Lebensdauer als Angst, Demütigung oder Schamgefühle. Positive Emotionen wie Freude und Hoffnung halten länger an als Begeisterung und Überraschungen.

„I think, I think too much!“ 😉

Also: Was ist zu tun, um das Feuer im Kopf zu löschen und die negativen Gedanken zu pulverisieren?  Eine Kontaktlinsenträgerin von mir – eine waschechte Psychologin! – hat für alle Grübler da draussen einige Tipps parat:

Tadaaaaaa … für A B L E N K U N G sorgen! Tja, das heisst für alle Nachtschwärmer: Licht an, frische Luft schnuppern, Wasser trinken und einige Seiten eines richtig guten Buches lesen. Ein  lieber Freund von mir meinte vor kurzem: „Aufstehen und ab Marsch eine Runde laufen!“ 🙂 Für alle Tagträumer bedeutet das:  Sich einen kurzen Cut im Alltag nehmen und sich für ein paar Minuten einer schönen Sache widmen.

M u  s t e r erkennen! Hinterfrage dich immer, warum und weshalb du ins Grübeln kommst. Welche Themen beschäftigen dich immer wieder?

N o t i z e n machen! Mein Kopfkino habe ich immer dann im Griff, wenn ich meine Gedanken aufschreibe.  Schaue ich morgens auf meine nächtlichen Notizen, schmunzle ich hin und wieder. Ab und zu bin ich auch erstaunt, was ich alles so zusammen spinne. Meine kleine verrückte Welt.

2 M i n u t e n -Test! Bringen mich meine Gedanken einer Lösung näher? Nein? Ja dann: Weg damit! Fühle ich mich damit besser? Nein? Sofort aufhören! Habe ich es jetzt endlich kapiert? NÖ! Stoooooooopp!

F e h l e r sind H e l f e r! Negative Erfahrungen haben so viel Potenzial für positive Veränderungen im Leben!  Das heisst: aus Rückschlägen das Allerbeste machen!

B e s t C A S E statt Worstcase! Mal ehrlich: unser Gedankenpalast zelebriert fantasievolle Schreckgespenst-Bilder à gogo – gottlob sind die Hiobsbotschaften  nie eingetroffen! Warum also nicht positiv grübeln 😉 ? Geht doch!