Selfness

Es kommt eher selten vor, dass ein Neukunde und bisheriger Weichlinsenträger beim ersten Termin den Wunsch äussert, formstabile Kontaktlinsen ausprobieren zu wollen. Normalerweise ist es doch eher so, dass wir die langjährigen Weichlinsenträger davon überzeugen müssen, es doch einmal mit formstabilen Kontaktlinsen zu versuchen.

Umso mehr war ich also erstaunt, dass meine Neukundin in unserem ersten Gespräch direkt zur Sache kam. Sie wolle auf alle Fälle jetzt formstabile Kontaktlinsen testen, weil sie immer mal wieder von den Vorteilen dieses Linsentyps gehört habe und es ihren Augen wieder besser gehen soll! Offenbar hatte ihr der zuletzt konsultierte Augenarzt den letzten Impuls dazu gegeben. Er war nämlich über den Zustand ihrer Hornhaut nicht sehr erfreut und konnte sie nun endgültig davon überzeugen, umzustellen.

Die Aussage meiner Neukundin erfreute natürlich mein „Anpasserherz“ und ich erwiderte: Wissen Sie eigentlich, dass Sie damit völlig im Trend liegen?

Nach dem Wellness-Hype kommt nämlich jetzt die neue Selbstveränderungs-Kultur! Der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx hat sie als „Selfness“ bezeichnet! Es ist das neue Bewusstsein des „Wellbeing“, das eigene Leben zu bereichern, zum einen mit einer gesunden Ernährung, Sport zu treiben und fit zu bleiben, zum anderen aber auch eine emotionale Lebenskompetenz zu finden, indem man einen positiven emotionalen Umgang mit seiner sozialen Umwelt pflegt. Es steht also nicht mehr eine vorübergehende Entspannung im Fokus, sondern dauerhafte Selbstveränderung.

Meine Kundin strahlte mich an und meinte daraufhin, dass sie gar nicht wusste, was für eine Trendsetterin sie sei. Als langjährige Weichlinsenträgerin und einer gesunden Einstellung zu Neuem, hat sie nach dem erstmaligen Probetragen der formstabilen Kontaktlinsen völlig begeistert reagiert: Nun sehe ich endlich wieder richtig gut!

Wer mehr über „Selfness“ und das Zukunftsinstitut und von Matthias Horx erfahren möchte, der kann sich auf www.zukunftsinstitut.de genauer informieren!

„Geiz ist geil“

Unlängst kam eine 25 jährige Kundin zu mir in die Nachkontrolle. Die letzte Kontrolle war vor fünf Jahren (!), unsere Aufgebote zur jährlichen Kontrolle hat sie schlichtweg ignoriert. Ganz offensichtlich plagte sie auch diesbezüglich ein schlechtes Gewissen, zumal das Tragen ihrer Monatslinsen in der letzten Zeit (bei Nachfrage: im letzten halben Jahr) immer schwieriger geworden ist. Morgens, nach dem Aufsetzen der Linsen, störe sie vor allem das starke Brennen der Augen. Ihre Monatslinsen tausche sie normalerweise alle sechs Wochen aus (Anmerkung: sehr wahrscheinlich sind es mehr als sechs Wochen). Sie ist sich aber durchaus bewusst, dass dieser Austausch-Rhythmus nicht dem eigentlichen Zweck dieser Wegwerflinse entspricht.

Beim Absetzen der Kontaktlinsen und der Überprüfung an der Spaltlampe waren die punktförmigen epithelialen Stippen über die gesamte Hornhaut erkennbar: ich vermutete eine allergisch-toxische Reaktion auf das Pflegemittel.

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Bei der Frage nach Ihrem Pflegemittel, meinte sie nur, dass es ist ziemlich günstig sei, aber den Produktnamen leider nicht mehr wüsste. Nach einem ausführlichen Gespräch kamen wir beide zum logischen Schluss, dass sie am falschen Ort spart. Meine Bitte den Tauschrhythmus ihrer Monatslinsen einzuhalten und das Pflegesystem wieder auf das, ihr bereits aus „alten Zeiten“ wohlbekannten, konservierungsmittelfreie Peroxid-System zu wechseln, akzeptierte sie anstandslos. In einer erneuten Kontrolle in 14 Tagen werde ich überprüfen, ob es meiner Kundin und ihren Augen wieder besser geht.

Übrigens, der berühmte Werbeslogan „Geiz ist geil“ von der Elektronikhandelskette Saturn wurde im Dezember 2011 geändert. Das Unternehmen wollte das „Billig-Image“ loswerden und dem allgemeinen Trend nach mehr Qualität folgen. Auch der Servicedienstleistung wollte Saturn wieder mehr Bedeutung schenken. Das neue Motto lautet seither: „Saturn Soo! muss Technik“ Fehlt da nicht irgendetwas?

Igitt! Was ist das denn?

Am letzten Mittwoch kam spontan ein Kunde bei uns vorbei und fragte mich, ob ich nicht schnell auf seine rechte Linse schauen könnte. Die Linse störe ihn seit kurzem. Von Kopf bis Fuss aus dem Ei gepellt stand er mit einem „Dackelblick“ vor mir und drückte mir seine Kontaktlinse in die Hand.

Im Labor schaute ich mir die Linse mit meiner Lupe an und siehe da: die Kontaktlinse hatte massive Proteinablagerungen: eine Intensivreinigung war also fällig. Auch ein Blick in die Karteikarte war durchaus sinnvoll, denn die letzte Nachkontrolle lag bereits zwei Jahre zurück.

Ich bat ihn mir auch die linke Kontaktlinse zu geben, da ich davon ausgehen konnte, dass beide Linsen gereinigt werden müssen.

Und jetzt kommt das Unglaubliche: er greift in das Münzfach seines Portemonnaies (!) und nimmt einen verschmutzen Sauger heraus!

ALARMSTUFE ROT!

Hhmm, Sie bewahren Ihren Sauger immer so auf? Der Sauger hatte einmal die Farbe gelb, oder nicht?

Ich konnte einfach nicht anders. Er guckte mich ein wenig verunsichert an.

Diesen Sauger konfisziere ich SOFORT. Sie haben ein Riesenglück, dass Ihre Augen dies bisher unbeschadet überlebt haben. Übrigens, ist der Behälter etwa gleich alt wie der Sauger?

Keine Antwort.

Ich verkaufte ihm gleich drei neue Behälter und neue Sauger. Ich bat ihn, Behälter und auch den Sauger regelmässig auszutauschen. Ausserdem machte ich ihn noch darauf aufmerksam, dass das Münzfach sicher nicht der ideale Ort sei, um einen Sauger hygienisch sauber aufzubewahren!

Den Termin zur Nachkontrolle hat er ohne grossen Widerstand vereinbart. Ich bin mir  sicher, dass er froh war, zur Nachkontrolle zu meinem Kollegen kommen zu dürfen 🙂

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